Wer heute nach „PURItech" oder „Baumot" sucht, landet auf einer Abschiedsseite oder in alten Insolvenzmeldungen. Für Betreiber, deren Bagger, Bus oder Lkw einen Partikelfilter dieser Hersteller im Auspuff hat, ist das keine Randnotiz: Die Systeme arbeiten weiter, brauchen weiter Wartung, und die Prüfstellen fragen weiter nach Nachweisen. Hier steht, was tatsächlich passiert ist, welche Pflichten bestehen bleiben und wie Sie an Ersatzteile kommen.
Was mit PURItech und Baumot passiert ist
Beide Unternehmen verschwanden innerhalb weniger Wochen – unabhängig voneinander, aber mit demselben Ergebnis für ihre Kunden: kein Hersteller mehr, kein Werksservice, keine Ersatzteilversorgung über den bekannten Weg.
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31. Dezember 2020 PURItech GmbH stellt den Geschäftsbetrieb ein
Das Unternehmen aus Hohentengen beendet zum Jahreswechsel seine operative Geschäftstätigkeit. Bestehende Aufträge werden noch vertragskonform abgearbeitet. Die Mitteilung steht bis heute auf puritech.de – die Seite wird seither nicht mehr gepflegt.
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15. Januar 2021 Baumot Group AG beantragt Insolvenz
Der Nachrüstspezialist aus Königswinter stellt gemeinsam mit seinen Töchtern Twintec Technologie GmbH, Baumot Technologie GmbH und Baumot Deutschland GmbH einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Als Auslöser nennt das Unternehmen Umsatzeinbrüche in den Kernmärkten Israel, Großbritannien, Italien und Deutschland infolge der Pandemie.
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März 2021 Keine Investorenlösung – Baumot wird verwertet
Die Verhandlungen scheitern. Eine Fortführung der Gesellschaften gilt als nicht mehr wahrscheinlich; stattdessen werden die verbliebenen Vermögenswerte verwertet. Damit ist auch die letzte Hoffnung auf einen weiterlaufenden Herstellerservice vom Tisch.
Bitter daran: An der Technik lag es nicht. Baumot hatte für sein SCR-Nachrüstsystem BNOx bereits die Allgemeine Betriebserlaubnis vom Kraftfahrt-Bundesamt erhalten und Genehmigungen für zahlreiche Fahrzeugmodelle vorliegen. Was fehlte, war der Markt: Die erhoffte Welle an Hardware-Nachrüstungen im Zuge der Dieseldebatte blieb aus, die Serienproduktion kam nie richtig in Gang.
PURItech wiederum war alles andere als ein Nischenanbieter. Das 2001 gegründete Unternehmen war nach eigenen Angaben rund 17 Jahre in der Diesel-Abgastechnologie tätig, beschäftigte zeitweise mehrere Dutzend Mitarbeiter an Standorten in Süddeutschland und belieferte Nutzfahrzeuge, Bau- und Arbeitsmaschinen, Busse und Flurförderzeuge. Seit 2017 war PURItech zudem exklusiver Partikelfilter-Lieferant bei Plasser & Theurer und damit auch im Schienenbereich verbaut.
Welche Systeme jetzt ohne Hersteller dastehen
PURItech
Das Programm umfasste im Kern Dieselrußpartikelfilter für Nachrüstung und Serieneinbau, dazu passende Systemtechnik:
- DPF-1 / DPF-2: katalytisch beschichtete Wandstromfilter, wahlweise als Standardversion oder als Schalldämpfer-Nachbau, ausgelegt für Dauereinsatz im Mehrschichtbetrieb
- PURImobil: geschlossenes System mit katalytisch beschichtetem Wandstromfilter und zusätzlichem Vorfilter
- Selbstreinigende Filter und aktive Regenerationssysteme für Anwendungen mit zu niedriger Abgastemperatur
- Aufsteckbare mobile Partikelfilter sowie mobile Filterheizungen für die Reinigung
- Systemtechnik: AFS- und DAS-Systeme sowie Datenlogger zur Dokumentation des Filterbetriebs
Baumot und Twintec
- BNOx: SCR-Nachrüstsystem zur Stickoxidminderung, mit ABE des KBA für zahlreiche Pkw-Modelle
- Rußpartikelfilter zur Nachrüstung aus dem Twintec-Programm – über Jahre eine der bekanntesten Adressen für Partikelfilter-Nachrüstung in Deutschland
- Systeme für On-Road und Off-Road – Pkw, Lkw, Busse sowie Bau- und Arbeitsmaschinen, sowohl in Erstausrüstung als auch im Aftermarket
Der Hersteller ist weg – Ihre Pflichten bleiben
Das ist der Punkt, der in der Praxis am häufigsten unterschätzt wird: Die Insolvenz eines Herstellers entbindet Sie von gar nichts. Ein nachgerüsteter Partikelfilter ist Teil der genehmigten Fahrzeug- oder Maschinenkonfiguration. Läuft er nicht mehr ordnungsgemäß oder fehlen die Nachweise, hat das Folgen – unabhängig davon, ob es die Firma auf dem Typenschild noch gibt.
Bau- und Arbeitsmaschinen: Die BG Bau verlangt regelmäßige Wartungen und Prüfungen von Filtersystemen. Ohne Wartungsnachweis wird es auf der Baustelle unangenehm – besonders bei innerstädtischen und öffentlichen Aufträgen.
Schienenfahrzeuge und Gleisbaumaschinen: Auch das Eisenbahn-Bundesamt fordert regelmäßige Prüfungen. Nach dem Wegfall von PURItech wurde in der Branche ausdrücklich vor einem entstehenden Serviceproblem gewarnt.
Nutzfahrzeuge und Busse: Die Abgasuntersuchung wird nicht milder, weil ein Filterhersteller vom Markt ist. Ein defektes oder zugesetztes System fällt bei der Prüfung auf.
Dazu kommt der wirtschaftliche Aspekt: Ein zugesetzter Partikelfilter kostet Leistung und Kraftstoff, im schlimmsten Fall geht er auf den Motor. Bei PURItech-Filtern war je nach System eine Lebensdauer von bis zu rund 14.000 Betriebsstunden vorgesehen – ausdrücklich bei regelmäßiger Wartung. Ohne diese Wartung ist die Rechnung schnell eine andere.
Ihre drei Optionen – ehrlich bewertet
1. System erhalten und weiter warten
In den allermeisten Fällen die wirtschaftlichste Lösung. Die Filtertechnik selbst ist robust; was ausfällt, sind in der Regel Verschleiß- und Peripherieteile: Dichtungen, Sensoren, Schellen, Leitungen, Steuerungskomponenten. Solange diese Teile beschaffbar sind, gibt es keinen Grund, ein funktionierendes System stillzulegen. Voraussetzung ist ein Partner, der die Teile besorgt und die Wartung dokumentiert.
2. Filter reinigen statt ersetzen
Ein zugesetzter Wandstromfilter ist selten ein Totalschaden. Professionelle Filterreinigung stellt die Durchgängigkeit in vielen Fällen wieder her und kostet einen Bruchteil eines Neuteils. Sinnvoll ist das immer dann, wenn der Monolith mechanisch intakt ist – das lässt sich vorab beurteilen.
3. Umrüsten auf ein anderes System
Die teuerste Variante und selten die erste Wahl. Sinnvoll wird sie, wenn der Filterkörper selbst beschädigt ist, wenn die Maschine ohnehin umgebaut wird oder wenn für eine sehr seltene Sonderanfertigung schlicht keine Teile mehr existieren. Wer eine Neuanschaffung erwägt, sollte vorher die Optionen 1 und 2 seriös prüfen lassen.
Typenschild oder Systembezeichnung des Filters, Seriennummer, Motorisierung und Baujahr des Fahrzeugs oder der Maschine sowie – falls vorhanden – die letzten Wartungsunterlagen. Mit diesen Angaben lässt sich in kurzer Zeit klären, ob ein Teil beschaffbar ist. Ein Foto vom Typenschild reicht in den meisten Fällen völlig aus.
Ersatzteile und Service für PURItech- und Baumot-Systeme
Wir liefern Ersatz- und Verschleißteile für Systeme der Abgasnachbehandlung – auch für Fabrikate, deren Hersteller es nicht mehr gibt. Dazu gehören Partikelfilter, SCR- und AdBlue-Komponenten sowie die zugehörigen Verschleißteile für Nutzfahrzeuge, Busse sowie Bau- und Arbeitsmaschinen.
- Teileidentifikation: Sie schicken uns Typenschild und Fahrzeug-/Maschinendaten, wir klären, was verbaut ist und was passt
- Beschaffung: Partikelfilter, Dichtungen, Sensoren, Schellen, Leitungen und Peripherie – soweit am Markt verfügbar
- SCR und AdBlue: Komponenten für die Abgasnachbehandlung an Nutzfahrzeugen und Bussen
- Beratung zur Alternative: Wenn ein Teil nicht mehr beschaffbar ist, sagen wir das offen und zeigen die realistischen Wege auf – statt Ihnen eine unnötige Komplettumrüstung zu verkaufen
- Diagnose im Paket: Für Werkstätten und Flottenbetriebe kombinieren wir Ersatzteile mit Fahrzeugdiagnose – inklusive Servicefunktionen für DPF-Regeneration und SCR-Systeme
Nicht jedes Teil eines eingestellten Herstellers ist noch aufzutreiben. Sonderanfertigungen für einzelne Maschinentypen sind manchmal schlicht nicht mehr am Markt. Wir prüfen jede Anfrage konkret und melden uns auch dann, wenn die Antwort „nicht beschaffbar" lautet – dann aber mit einem Vorschlag, wie es weitergehen kann.
Häufige Fragen zu PURItech und Baumot
Gibt es PURItech noch?
Nein. Die PURItech GmbH hat ihre operative Geschäftstätigkeit zum 31. Dezember 2020 eingestellt. Auf puritech.de steht bis heute die entsprechende Mitteilung; die dort genannte Service-Hotline stammt aus dieser Abschlussmeldung von 2020 und ist nach unserer Erfahrung nicht mehr verlässlich erreichbar.
Was ist mit Baumot und Twintec passiert?
Die Baumot Group AG hat am 15. Januar 2021 gemeinsam mit ihren Tochtergesellschaften Twintec Technologie, Baumot Technologie und Baumot Deutschland Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Im März 2021 wurde bekannt, dass sich kein Investor fand und die Vermögenswerte verwertet werden.
Muss ich meinen Partikelfilter ausbauen, wenn es den Hersteller nicht mehr gibt?
Nein. Der Wegfall des Herstellers ändert nichts an der Zulässigkeit des verbauten Systems. Solange das System funktioniert und gewartet wird, kann es weiter betrieben werden – der eigenmächtige Ausbau eines genehmigten Systems wäre dagegen ein Problem.
Bekomme ich noch Ersatzteile für einen PURItech-Filter?
In vielen Fällen ja – vor allem bei Verschleiß- und Peripherieteilen. Entscheidend ist die konkrete Systembezeichnung. Schicken Sie uns ein Foto des Typenschilds, dann klären wir die Verfügbarkeit.
Lohnt sich eine Filterreinigung oder soll ich gleich tauschen?
Wenn der Filterkörper mechanisch intakt ist, ist die Reinigung fast immer die wirtschaftlichere Lösung. Ein Tausch lohnt sich in erster Linie bei beschädigtem Monolithen oder wenn keine passenden Teile mehr verfügbar sind.
Wer übernimmt jetzt die vorgeschriebenen Prüfungen?
Die Prüfungen selbst erfolgen weiterhin über die zuständigen Stellen und Sachkundigen. Was wegfällt, ist der Werksservice des Herstellers – Wartung, Instandsetzung und Ersatzteilversorgung müssen Sie sich anderweitig organisieren. Genau da unterstützen wir.
Teil gesucht? Schicken Sie uns das Typenschild
Ein Foto vom Typenschild plus Fahrzeug- oder Maschinendaten genügt. Wir prüfen die Verfügbarkeit und melden uns mit einer klaren Aussage – auch wenn sie „nicht mehr beschaffbar" lautet.
Dennis Wendel Werkstattdiagnose24.de liefert Ersatzteile für Abgasnachbehandlung – Partikelfilter, SCR- und AdBlue-Komponenten – sowie Fahrzeugdiagnose und Abgasmesstechnik. Betreut werden Werkstätten, Bus- und Flottenbetriebe sowie Bau- und Arbeitsmaschinenbetreiber, aus Recklinghausen.
